Licht-Räume
Ich möchte in den folgenden Artikeln meinen ganz persönlichen Zugang zur "Sichtbarmachung" von Räumen darstellen. Ziel der Übung ist es, eine alltägliche und nur allzu selbstverständliche Sinneswahrnehmung, nämlich das Sehen, zu thematisieren. Meine individuellen Betrachtungen stellen keinen Anspruch auf "Vollständigkeit" dar, weder in gestalterischer noch in technischer Hinsicht. Manche meiner Aussagen mögen polarisiern und auf Widerspruch stoßen, aber Diskurs lockert ja den Geist. Meine Erfahrungen fußen auf langjährige Arbeit mit Menschen, sowohl im Objekt- wie auch im privaten Bereich, unter verschiedensten Rahmenbedingungen. Der Begriff Arbeit ist bewußt gewählt, denn die wichtigste Phase in der Auseinandersetzung mit dem raum-lebenden Kunden und den gestaltenden Partnern ist es, in mehr oder weniger langen Prozessen für die Lichtwahrnehmung und deren Gesetzmäßigkeiten zu sensibilisieren.Wie anfangs erwähnt ist die alltägliche visuelle Wahrnehmung eine mehr oder weniger als selbstverständlich hingenommene und von Zufälligkeiten und temporären Befindlichkeiten geprägte Erfahrung.
Um meinem Gegenüber die Tragweite bewußter Lichtgestaltung nahe zu bringen, schlage ich gerne vor, als erstes einmal die Augen für eine Minute zu schließen. Nach dem Öffnen der Augen versuche ich zu vermitteln, daß die gesamte Raumwahrnehmung, Farbe, Oberfläche und Dimension "Licht" ist, Licht in einer unendlichen Vielfalt von Qualitäten und spezifischen Charaktären. Der Raum in seinen Eigenschaften stellt sich also genaugenommen als Reflektion dar. In dem alle Oberflächen als Reflektionsflächen wirken und erst damit erschaubar werden, ergibt sich die Wichtigkeit der Lichtquelle und deren Eigenschaften unmißverständlich.

Ohne Licht würden andere Raumqualitäten stärker in den Vordergrund treten. Weitere Sinne würden zur Orientierung an Wichtigkeit gewinnen. Wir würden Räume ertasten, erriechen und erhören. In der alltäglichen Raumwahrnehmung spielt jedoch Licht die führende Rolle.
Dieser Umstand verlangt die Auseinandersetzung mit einer ungeheuren Vielfalt menschlicher Lebens- und Arbeitsbereiche, eine Auseinandersetzung mit menschlichen Bedürfnissen verschiedenster Ausprägung und Anforderungen. Sie führt einerseits zu einer sehr persönlichen Kommunikation, wenn es um die Gestaltung privater Räume geht, und andererseits zu teils sehr spannenden Diskussionen mit öffentlichen und kommerziellen Auftraggebern. Besonders im Objektbereich entspricht diese Auseinandersetzung oftmals einem Drahtseilakt zwischen kurzfristiger Rentabilitätsrechnung und den manchmal schwer in Zahlen zu fassenden erweiterten Wertigkeiten, die den Menschen und letztendlich Nutzer und die ihm gebotene Qualität im Mittelpunkt sehen.
Gelingt es mir, meinen Gesprächspartner entsprechend zu sensibilisieren, kann ein sehr spannendes Spiel beginnen, das mit sehr viel Freude beim Erleben der gemeinsam gestalteten Räume seine für beide Seiten sehr befriedigende Fortsetzung findet.
Um das Gestalten mit Licht in all seinen Facetten zu beleuchten, ist es angebracht, einige sehr spezifische Ausflüge in technische Bereiche des Lichts und in die Natur der menschlichen Wahrnehmung beziehungsweise Verhaltensweisen zu unternehmen. Ich werde in den folgenden Kapiteln versuchen, auf die verschiedenen Bereiche einzugehen und meine Erfahrungen schildern.
Andreas Zoufal Lichtgestalter E-Mail office@lightzone.at Website www.lighzone.at.at
Raum und Dimensionen
Grundsätzlich folgt das Gestalten mit Kunstlicht den ganz normalen Gesetzen der architektonischen Gestaltung. Leider denken Bauherrn und vielfach auch Planer Gebäude und Räume beinahe ausschließlich unter Tageslichteinfluß, sprich wenn die Sonne scheint. Aber unaufhörlich wieder folgt die Dämmerung und Nacht. Für mich unverständlich beschränkt sich das Eingehen auf diese alle Tage wiederkehrende Situation meistens auf ein schlichtes "nun drehen wir das Licht auf" und es wird hell. Als bereits erweiterte Auseinandersetzung mit dem Thema gilt die Auswahl von mehr oder weniger "hübschen" Leuchten, die den allgemeinen Marktgesetzen folgend immer mehr ins kurzlebig modische abgleiten. In den Tageszeiten mit mangelndem beziehungsweise fehlendem Tageslicht wird jedoch das Gebäude und seine Innenräume ausschließlich durch das mehr oder weniger gezielt gesetzte Kunstlicht sichtbarer Körper und Raum. Das am Tage teilweise sogar im störenden Überfluss vorhandene, raumdurchflutende Tageslicht bleibt aus, und zurück bleibt ein unmodellierter Körper, großzügige Glasfronten verwandeln sich in schwarze Löcher und Verteilergänge bilden angstgebietende Schluchten. Das Problem dürfte meiner Ansicht nach an der völlig umgekehrten Gestaltungssituation liegen: folgt der Planer im baulichen Entwurf einem mehr oder weniger kontrollierten Prozess des Lichtausschließens, so erfordert die Kunstlichtplanung als gestalterische Ausgangsbasis den Zustand der Finsternis und darauf aufbauend ein kontrolliertes revisualisieren von Räumen und Linienführungen.
Steht der Architekt vor dieser Aufgabenstellung, sollte er sich nicht von seiner zwangsweise geringen Kenntniss von Leuchten und deren Wirkungsweise irritieren lassen. Er sollte vielmehr einem Lichtplaner gegenüber seine Ansprüche an die Darstellung von Flächen definieren und es zu dessen Aufgabe machen, die geforderten Qualitäten zu realisieren. Der Lichtplaner ist auf diese Definition angewiesen, so er interessiert ist mehr als den gesetzlich geforderten Stolperschutz zu bieten. Um diese gemeinsame gestalterische Maßnahme erfolgreich umzusetzen ist von beiden Seiten eine hohe Kommunikationsfähigkeit gefordert. Doch das gemeinsame Werk dankt.
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Reflexflächen: Farbe und Oberfläche