Leuchten-Design

 GloBall von Jasper Morrison für Flos

Es gibt verschiedene Ansätze, sich dem Thema Design von Leuchten zu nähern, doch es gibt zweifelsohne eine gewisse Folgerichtigkeit, um ein sinnhaftes und erfolgreiches Design zu erarbeiten. Sehen wir einmal ganz trocken die funktionale Aufgabenstellung. Eine Leuchte gibt Licht und prägt somit Raum und subjektive Befindlichkeit des Benutzers. Ergo ist es für den Designer unausweichlich, sich mit der Lichtgestaltung in der Architektur auseinanderzusetzen. Dies geschieht am naheliegendsten "on the job". Viele erfolgreiche Leuchten-Designer kommen aus der Architektur beziehungsweise erweitern ihr Tätigkeitsfeld entsprechend. Gerade deshalb ist es so erstaunlich für mich, wie sehr sich das zeitgenössiche Leuchtendesign in oftmals hilflosen Formalismen ergeht und sich bedauerlich wenig den bestehenden Aufgabenstellungen angewandter Lichtgestaltung widmet.

Es scheint mir indes zweifelhaft, inwieweit dieser Umstand den Designern anzulasten ist. Vielmehr kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß auch renommierte Hersteller ihren Blick immer ausschließlicher auf Verkaufsstatistiken denn auf den Menschen, der die Produkte erwirbt und anwendet, richten. Ich sehe unter den Produzenten immer weniger Interesse, sich mit dem Medium Licht als solches ernsthaft auseinanderzusetzen. Die neu entstehenden Produkte wirken auf mich immer Selbstzweck-orientierter und verlieren den Bezug zur eigentlichen architekturbezogenen Aufgabe. Dieser Umstand findet seine Entsprechung in der oberflächigen Anwendung von Licht als gestalterisches Element in der Architektur. Der Einsatz von Kunst-Licht in der Architektur reduziert sich meiner Wahrnehmung nach immer mehr auf das "an die Wand pinnen" von schön anzusehenden Gebilden, die ihrer ureigensten Aufgabenstellung, den Raum als solches zu prägen und zu emotionalisieren, immer weniger gerecht werden.

Die Schuldfrage bei diesem degenerativen Problem stellt sich mir als klassische "Henne oder Ei" Frage dar. Die Kommunikation unter den Agierenden findet heute nur mehr sehr verzerrt über Verkaufszahlen statt. Als Lösung sähe ich, dem bestehenden Trend widersprechende, neue initiative Kommunikationmodelle zwischen Hersteller, Designern, Architekten, Lichtplanern und dem Ausbildungsbereich zu entwickeln. Ich möchte die engagierten Beteiligten aufrufen, neben der Suche nach neuen Formsprachen neue Wege der Kommunikation zu erschließen.

Zu guter Letzt möchte ich noch zwei hervorragende Beispiele zeitgenössischen Leuchten Designs vorstellen.

Zum ersten die Leuchtenfamilie Nobi, für Fontana Arte gestaltet von Metis Lighting Design / Mailand.

Eine faszinierende Leuchte, die dem Prinzip "form follows function" in einem extremen Maß entspricht. Als Lichtplaner habe ich das erste mal ein Instrument in der Hand Flächen in der Architektur weich und gleichmäßig in einer hohen Lichtqualität auszuleuchten. Eine banale Aufgabenstellung mögen Sie denken, doch glauben Sie mir, dem ist nicht so. Zur Konstruktion der Leuchte wurden klassische Materialien wie Messing, Glas und Aluminium verwendet, die Oberflächen grau lackiert, matt vernickelt oder verchromt. Die Leuchte ist in ihren Ausmaßen nicht mehr zu reduzieren und nimmt sich selbst nicht wichtig. Ein genialer Wurf, der jeden Anwender begeistern wird.



Zum zweiten Fortebraccio von Luceplan, gestaltet von Alberto Meda und Paolo Rizzatto

Eine Schreibtischlampe, unter anderem, die zweitausend vierhundert fünfundzwanzigste mag mann denken, doch diese Leuchte zeigt was es bedeutet, wenn erfahrene Designer eine Aufgabenstellung neu überdenken und gepaart mit einem hohen Maß an Ingenieurskunst umsetzen. Die Leuchte produziert mit ihrem großen Reflektor und leistungsfähigem 100W/230V Halogenleuchtmittel starkes und weiches Licht zugleich. Der am Kopf integrierte Griff schmiegt sich satt in die Hand. Augenblicklich findet der Daumen ein kleines Drehrad und justiert über einen eingebauten Dimmer die Beleuchtungsstärke. Gleichzeitig kontrolliert man eine schon ans absurde grenzende Beweglichkeit der Leuchte. Das Meisterstück hat schnell den Weg auf meinen Schreibtisch gefunden.

Andreas Zoufal Lichtgestalter E-Mail office@lightzone.at Website www.lighzone.at.at

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