Spuren in Berlin
Wenn sich Designer der Architektur nähern. Bestandsaufnahme anlässlich des ersten Design-Mai in Berlin 2003. Neue Projekte für eine Stadt im Umbruch. Experimentierfeld für Design und Architektur.Die einschlägige Fachliteratur widmet sich seit einiger Zeit diesem spannenden Thema. Temporäre Architektur nicht aus Architektenhand gestaltet. Zumal sie viele interessante gestalterische Ansätze bieten, so auch in Berlin gesehen. Zentrales Thema: das Leben junger Leute in differenzierten Gebäudeformen; Arbeiten und Leben in wohl gestalteten Boxes und Container-Buildings.
Erwähnt sie hier das Projekt Loft Cubes vom Studio Aisslinger, welches am Dach des Universalstudio Gebäudes präsentiert wurde. Mit einem umwerfenden Blick über Berlin. Auch wenn dieses von mehreren Firmen gesponserte Projekt eher an den kalifornischen Sandstrand passt, das transportierte Feeling moderner Architektur reflektiert besonders bei jungen Menschen. Was gibt es schöneres, als an einem Bilderbuchtag in und mit dieser luftigen Wohnzelle zu leben.
Mit Loft Cubes wurde eine Wohnutopie für Großstadtbewohner entwickelt, die sich temporär in der Stadt ansiedeln und auf einen individuellen Rückzugsort nicht verzichten möchten. Der Cube hat eine Rahmenstruktur (in diesem Fall Holzspanten) mit einer Grundfläche von ca. 40 qm und vier glatten Fassadenseiten, die nach den Wünschen des Bewohners mit verschiebbaren Lamellen, farbigen Glaselementen oder perforierten Flächen ausgestattet werden können. Laut Tory Lichterman (ausführender Design Architekt) sind künftig auch Bürozellen geplant. Mobile Einheiten, die freie Dachflächen besetzen.
Anderes der Ansatz bei Platoon, einem Medienbüro. Dessen Gebäude, ein im Militarylook gehaltener Überseecontainer, steht in Berlin Mitte und füllt eine freie Abrissfläche. Auch hier sind Ort und Wirkungsstätte nicht von ewiger Dauer, Tieflader, Kran und ab durch die Mitte. Dieses Projekt entstand anlässlich von Urban Drift 2002.
Es ist immer schön anzusehen, wenn nicht Architekten sich mit Architekturthemen auseinandersetzen. So gesehen bei Oliver Herwig, einem Kunsthistoriker, welcher sich in dem kürzlich erschienen Buch Featherweights, Light Mobile and Floating Architecture dem Begriff Leichtigkeit in der Architektur nähert. Herwig packt das Thema relativ unbeschwert an, geradezu fröhlich und will auf keinen Fall Penetrant sein. Das Buch ist bei Prestel in englischer Sprache erschienen (160 Seiten / Euro 61,40).
Neue Projekte für eine Stadt im Umbruch. Es etabliert sich jene Generation von jungen Designern und Architekten, die durch das kreative Chaos der Nachwendezeit geprägt wurden. Die vorliegende Publikation Design Berlin in Verbindung mit der gleichnamigen Ausstellung in Kooperation Vitra Design Museum und Goethe Institut, stellt die Protagonisten der Berliner Designszene anhand ihrer wichtigsten Projekte vor. Die Suche nach neuen Materialien, technologischen innovativen Produktionsverfahren, cleveren Anwendungen ist bei vielen der gezeigten Projekte wichtiger als deren Ästhetik.
Designer und Architekten arbeiten heute in einem Gleichgewicht aus globalen und lokalen Verflechtungen, das vielleicht prototypisch für die Zukunft ist. Die Ausstellung zeigt, dass Innovationen und Experimente im Zeitalter der Globalisierung mehr denn je Orte mit Charakter brauchen, an denen sie provoziert, sichtbar gemacht, erprobt und verworfen werden.
für sie beobachtet Knut Knutsen (Knut Knutsen bei RDD, Knut Knutsen E-Mail)
Featherweights, Light Mobile and Floating Architecture
erschienen April 2003 im Prestel Verlag
Text Englisch
160 Seiten mit 30 Farb-Abbildungen
28.5cm x 23cm / Flexobroschur/Flexi-Cover
Preis € 59,-
ISBN 3-7913-2856-5
Design Berlin. New Projects For A Changing City
herausgegeben April 2003 vom Vitra Design Museum
76 Seiten
Preis € 12,90
ISBN 3-9319-3640-6