Form follows Emotion

der Design-Prozess dargestellt am Beispiel Investitionsgüter Design

Einleitend möchte ich in wenigen Sätzen Gerald Heufler zitieren - Leiter des Studienganges Industrial Design, FH Joanneumm Graz:

"Design ist nicht alles, aber Design ist neben Technologie und Marketing zum dritten Standbein einer erfolgreichen Unternehmensstrategie geworden. Für den Konsumenten schafft Design Gebrauchsqualität, Freude am Objekt und persönliche Identifikation, für den Unternehmer Wettbewerbsvorteile in hart umkämpften Märkten."

Galt doch früher der Spruch: "form follows function" so heißt es heute "form follows fun" oder "form follows emotion". Die Form ist das Ergebnis eines ganzheitlichen Problemlösungsprozesses. Dies gilt vermehrt auch im Investitionsgüter-Design.

Wer trifft eigentlich die Kaufentscheidungen? Und unter welchen Kriterien werden sie getroffen? Technisch unterscheiden sich die Produkte kaum noch, da liegen die Standards mitunter auf einem sehr hohen Niveau. Also spielen bis zu einem bestimmten Punkt emotionale Faktoren bei der Kaufentscheidung eine wesentliche Rolle. Dem Designer/Designteam muss es gelingen, diese Emotionen zu wecken.

Design ist ein aufwendiger und in verschiedenen Phasen ablaufender Entwicklungsprozess. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit läßt sich in vier Hauptbereiche einteilen:

Research (Recherche und Analyse)
Konzeption (Vorentwurf)
Entwurf (Konstruktion & Visualisierung)
Realisierung (Prototypenbau)

Am Beispiel einer mobilen Aufbereitungsanlage sollen die nötigen Arbeitschritte und Querverbindungen eines solchen Prozesses skizziert werden. Es gibt kein Einheitsrezept, nachdem vorgegangen wird. Jedes Projekt ist für sich individuell zu bearbeiten und somit von der spezifischen Aufgabenstellung abhängig. Als Entwicklungszeitraum für Projekte dieser Größenordnung können acht bis zwölf Monate veranschlagt werden.

1) Recherche und Analyse
Der Auftraggeber gibt grundsätzlich seine Wünsche und Vorstellungen bekannt. Vieles wird gemeinsam skizziert und analysiert. Spezielle Information zum Markt, geschichtliches, technologische Hintergründe mitunter auch kulturelle Bezüge. Informationen betreffend Unternehmen und Mitbewerb, wichtige Messen, Normen, Richtlinien und vieles mehr. All diese Informationen und persönliche Schlußfolgerungen werden im "Briefing" bzw. im Pflichtenheft mit wenigen Schlagworten formuliert, die sich in der Produktsprache ausdrücken sollen.
Bild: Der alte Brecher als ein Synonym für die Recycling- und Wiederaufbereitungsbranche.

2) Konzeption und Vorentwurf
In der ersten Konzeptphase wird zuerst parallel die produktsprachliche, gebrauchsorientierte und technische Ideenfindung betrieben (Modellskizzen, Proportionsmodelle, Ergonomieraster, grundsätzliche Überlegungen zum Farbkonzept). Alternativen und Variantenbildungen stehen im Vordergrund. Die daraus abgeleiteten Prinzipien werden mit dem Auftraggeber besprochen und korrigiert. Weitere Designalternativen und Varianten werden ausgearbeitet und zur Diskussion gestellt. Erste Maßzeichnungen für die technische Umsetzung betreffend Rahmenkonstruktion und modularer Aufbau werden gemeinsam mit der Konstruktionsabteilung erarbeitet.

3) Entwurf und Visualisierung
Die Entwurfsphase erfordert die Optimierung des Konzeptes und die Ausarbeitung aller Details sowie die Festlegung verwendeter Materialen, Farben und Oberflächen. Hier erfolgt auch die konstruktive Abstimmung, Materialauswahl und Prüfung sowie die Erstellung von Zeichnungssätzen für Modell- und Formenbau. Ansichten und schematische Schnitte werden direkt in 3D Computermodelle übernommen. Diese Computermodelle können zum Teil direkt für den Formenbau herangezogen werden. Bei Projekten dieser Größenordnung wird immer im Maßstab M1:1 gearbeitet, um die Proportionen und ergonomischen Qualitäten am realen Modell zu prüfen. Von diesem werden Negativ-Formen abgenommen, welche als Basis für GFK-Hartmodelle und Formen dienen.

4) Realisierung und Prototypenbau
In dieser Phase sind Abstimmungen in der Detailkonstruktion mit Zuliefer- und Fertigungsfirmen notwendig. Es erfolgt eine teilweise Bemusterung der Teile und die Detailabstimmung beim Prototypenbau. Die Aufgabe des Designers/Designteams liegt in der Begleitung des Projektes in all seinen designrelevanten Punkten bis zur Fertigstellung des Prototypen. Dies beinhaltet auch die technische Abwicklung und Begutachtung des Prototypen bis zur Nullserie und Serienfertigung.

Resümee
Wie man sieht, ist der Designprozess kein einfacher, sondern ein sehr komplexer Vorgang. Am besten ist es, wenn der Designer von Beginn an mitwirkt. Design sollte generell integrierter Bestandteil der Unternehmenskultur sein, da das Design oft einzig wesentliches Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb ist. Bei der Entscheidung für gutes Design sollte dem Designer bzw. Designteam sehr früh ein entsprechender organisatorischer Freiraum gegeben werden.

Rainer Atzlinger (rdd industrial) für arcipark

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