Sie kennen ein Gebäude oder anderes architektonisches Element das Ihnen besonders gefällt abseits der ohnehin medienpräsenten Prestigebauten, dann packen Sie Ihre Kamera ein, machen sie ein paar Schnappschüße und schreiben uns ein paar Zeilen warum Ihnen das Projekt aufgefallen ist. Schicken sie uns Ihren Beitrag per Post oder E-Mail und wir veröffentlichen ihn in unserer neuen Serie Architektur-Spuren. Also keine Scheu und raus an die frische Luft, es gibt vieles zu entdecken.
Kein kleines gelbes Haus
Eine inspirierte Variation einer traditionellen Grundformverantwortliche Planer Architekt DI Andreas Sturmberger, Architekt DI Dietmar Moser





Von den im Linzer Keferfeld zur Ausführung gekommenen Haustypen weist der in diesem Planquadrat vorherrschende die ungünstigsten Raum- und Grundstücksproportionen auf.
Unverzagt stellten sich Bauherr und Planer diesem engmaschigen Bauraster.
Dem Architekten gelang durch das intelligente Ausschöpfen der geringen Freiräume in den ortsspezifischen Baurichtlinien mit minimalen Maßänderungen ein deutlicher Zugewinn an nutzbarer Kubatur. Durch konsequente Neuinterpretation der Raumaufteilung ergibt sich eine völlig neue aufgeschlossene und zeitgemäße Wohnqualität. Von außen kaum wahrnehmbar ist der rechteckige Grundriß von zwei prägnanten Achsen geschnitten. An der rechten Gebäudeflanke setzt sich der Wohnraum einerseites straßenseitig und andererseits gartenseitig durch großflächige Verglasungen in schlüssige Erweiterungen im Naturraum fort. Diese - trotz ihrer offenheit abgeschirmten Bereiche - verleihen der Hauptebene eine unerwartete Freizügigkeit. An diese Horizontale dockt die vertikale des zentralen Eßbereichs, der sich bis zur Dachuntersicht öffnet. Eine großzügige Verglasung in der darüberliegenden Dachschräge sorgt für einen lichtdurchfluteten Freiraum. Nach dem offen angesetzten Küchenbereich erschließt eine streng geführte Treppe das Obergeschoß. Dort ordnen sich zwei weitere Wohnräume, Bad und Erschließungsfläche um die zentrale Vertikale. Durch die konsequenten Auslegung für zwei Bewohner gelang dem Planer eine ungewöhnliche Großzügigkeit in einem relativ kleinen Volumen zu realisieren.
Dieses hohe Maß an innewohnenden Qualitäten würde kaum die verdiente Aufmerksamkeit wecken, wenn die Gestaltung der Außenhaut nicht so drastisch mit üblichen Sehgewohnheiten bräche: mittelformatige Rheinzinktafeln umhüllen vollflächig das Gebäude. Der Verzicht auf Überstände betont und verfremdet gleichzeitig die Grundform. Durch die Falzung erhalten die Bleche eine leicht wellige, organisch, fast ledrig anmutende Oberfläche. Einen kleinen Wermutstropfen stellt einmal mehr die Ausführung der Sichtbetonelemente dar.
Aus einem Meer Schönbrunn-gelber Instant-Lieblichkeit hebt sich dieses Beispiel einfühlsamer Bewohner orientierter Architektur wohltuend ab.
entdeckt von Gerhard Katzlberger